Ich kenne einen Fall, wo es dem Mann einiges an Geld und Energie gekostet hat und letztlich aber nie eine richtige Beziehung daraus geworden ist, obwohl er sehr darauf gehofft und alles versucht hatte. Letztlich hatte sie wohl den rechtzeitigen Absprung aus der Branche verpasst und war psychisch irgendwie kaputt und gar nicht mehr wirklich bindungsfähig (wie wohl viele in dem Job). Sie wollte oder konnte in Wahrheit nach etwa einem Jahrzehnt im Grunde gar nicht mehr mit dem Job aufhören. Er wiederum wurde spätestens in dieser Zeit aus Frust zum Alkoholiker. Er lebte in einem anderen Bundesland und konnte sie nur ihm Rahmen von Berufsterminen besuchen. Die hatte er von Haus aus schon häufig dort und nachdem er sie kennengelernt hatte, gleich noch viel häufiger (was sich da plötzlich für Projektchancen aus dem Nichts auftaten, die ganz dringende Vor-Ort-Besuche nötig machten). Ich war einige Male mit, konnte sie auch kennenlernen und habe auch das Theater ansehen und anhören müssen, das er aufführt (eben das Klassische, was im Grunde eh alle verliebten Trottelmänner halt immer so aufführen, wenn sie eine Frau haben wollen, die sie eigentlich nicht kriegen können - und ich nehme mich selbst da nicht aus, jeder erlebt wohl solche Geschichten). Aus meiner Perspektive war sie gar nicht so aufregend, aber jeder Topf hat halt so seinen Deckel, irgendwas an ihrem Wesen hat ihn halt extrem gefesselt. Eigentlich hätte man das wohl psychoanalytisch aufrollen müssen, sodass er verstehen kann, was es denn überhaupt ist, was ihn da so einnimmt. Sagen hat er es mir nicht können, ein bewusster Prozess war es somit nicht. Nach Jahren hat er es aus Einsicht (oder doch Enttäuschung?) beendet. Und er hat es sogar unter Tränen seiner Frau gestanden, was mich sehr verblüfft hat, aber sichtlich war die Schuld, die Scham und der Druck innerlich zu groß und es musste raus. Sie hat ihm sogar verziehen, weil er sonst als Partner ein super Kerl war. Inzwischen ist er aber dennoch getrennt (es gab nach der Trennung sogar nochmals ein kurzes Aufflackern mit der Prostituierten), säuft nichts mehr und ist - wie man so schön sagt - vom Leben geläutert. Wenn einen etwas so sehr ergreift, ist das zwar irgendwie ein Kontrollverlust, zugleich aber auch irgendwie das Salz in der Suppe des Lebens, das ohne diese tiefen Gefühle, die einen mitreißen, ja oftmals nicht besonders aufregend ist. Man sucht sich das aber ohnehin nicht aus, diese Dinge passieren einfach. Reich ist er aber nur an Lebenserfahrung, denn die eine Hälfte seines Vermögens ist wohl in die Prostituierte und Alkoholexzesse gewandert und die andere Hälfte in seine Frau.