Sprache lebt und das ist die normale Euphemismus-Tretmühle
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Jahrhundertelang war "Weib" das normale Pendant zu "Mann", es findet sich heute ja noch in Roman, Oper usw. von früher. Heute wird es aber oftmals als Schimpfwort angesehen, was es aber vom Ursprung her ja gar nicht ist. "Schwul" war in meiner Kindheit noch ein Schimpfwort, bis die Gay Community es aufgegriffen hat und heute mit großem Stolz trägt. Bei "Hure" wechselt das immer wieder. Man denke zurück an die berühmte Domenica aus Hamburg, vom Mainstream in TV und Print als die "Hure der Nation" betitelt, man sah das nicht als Schimpfwort - es war sogar für Promis chic, sich mit ihr und auch anderen Damen ablichten zu lassen.
Ich habe schon Abhandlungen von (feministischen) Prostituierten gelesen, die "Hure" als die exakt richtige Bezeichnung für ihren Job sahen und nicht als Schimpfwort, die aber "Nutte" wiederum als sehr beleidigend empfanden. Aber gut, die Euphemismus-Tretmühle ist eben weitergelaufen, heute spricht man euphemistisch von "Sexworkerin" / "Sexarbeiterin" oder bei z.B. Schwarzen von PoC (People of Color). In einigen Jahren wird man dann wieder neue Worte fürs eh immer Selbe erfunden haben oder auch wieder auf uralte Begriffe zurückgehen und sie neu aufgefrischt ins Spiel bringen.
Aber ja, die heutigen jungen modernen Damen wollen das Wort "Hure" sicher zumeist nicht und sehen sich wahrscheinlich selbst auch gar nicht als das. Vermutlich sehen sie sich als freie moderne junge Frauen, die halt eine Zeitlang "sexuelle Dienstleistungen" anbieten, bis sie ihrer eigentlichen Berufung folgen, in unserer heutigen "Anything goes" Welt, wo Prostitution gar nicht mehr so verpönt ist, man denke bloß an die deutsche Philosophin Salome Balthus, die sich auch prostituiert (übrigens eine super gebildete, intelligente, attraktive Frau).
Ich würde zu keiner meiner netten Besucherinnen "Hure" sagen, das wäre bloß unnötiger Streß und auch respektlos. Wertschätzung sollte auch von demjenigen da sein, der zahlt.