@ErikDW: Das Treue- oder auch Monogamie-Thema kann man freilich auf verschiedene Weise betrachten. Es ist sehr wohl auch eine Frage des Respekts, ob zwei Partner einander voll und ganz schenken und Verlockungen außerhalb dieser Beziehung ablehnen, selbst wenn diese folgenlos wären bzw. unaufgedeckt blieben. Das ist schon eine sehr spezielle Qualität und ich finde es bewundernswert, wenn zwei Menschen das schaffen und sozusagen (im biblischen Sinne) zu einem Fleisch werden. Jetzt kann man viele Gründe dagegen anführen: dass sich Beziehungen mit den Jahren verändern und vielleicht an Qualität verlieren, dass man seiner Lust nachgeben will oder sich dazu gezwungen fühlt und vieles mehr.
Partnerschaft/Ehe ist aber nicht bloß gesellschaftliches Konstrukt, sondern folgt sehr wohl einer natürlichen Ordnung. Biologisch hat es - insbesondere beim Menschen - eine ganz maßgebliche Funktion, weil die Brutpflege ja eine andere bei Mensch und Tier ist. So manches Tier ist schon nach der Geburt oder zumindest kurze Zeit nach der Geburt alleine lebensfähig. Menschliche Nachkommen sind das jahrelang nicht, sie müssen außerhalb des Mutterkörpers "fertig werden", jahrelang. Unversorgt sterben sie. Freilich hat die Natur hier (unter anderem biochemische) Mechanismen eingerichtet, die den Vater gerade in dieser heiklen Zeit an die Mutter binden. Auch Pinguine, Wale, Elefanten, Gänse und viele andere Viecherl bleiben sich übrigens treu, was auch gegen den Mythos der "gesellschaftlichen Konstruktion" spricht, der ja bloß aus der herumschnackselnden 68er-Bewegung und der das zuvor einleitenden neokommunistischen Frankfurter Schule (Adorno, Horkheimer & Co) fußt. Wir kennen den Spruch "Wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment". Es ging um eine Dekonstruktion und ein Aufbrechen aller Bindungen und der Wunsch nach Gleichmacherei von Ungleichem. Auch Pädophilie reiht sich hier ein, weil der Zeitgeist damals meinte, Kinder wären eh nur kleine, aber ebenbürtige Erwachsene, was freilich schändlicher Unsinn ist und Schreckliches für Schutzbedürftige bedeutet. Auch die Buntheit und Vielfalt von Familien, Clans, Stämmen und Völkern wird von dieser Denkrichtung negiert, denn: Alle sollen gleich sein! Es gibt keine Geschlechter mehr, die kann man täglich nach Wunsch wechseln, es gibt keine Ethien mehr, es gibt kein Alter mehr. Der Fall, wo ein Mittfünfziger seine Frau und Kinder verlassen hat, um fortan als 6-jähriges Mädchen zu leben, ist ja nur einer der vielen bekannt gewordenen Fälle. Man könnte sagen, das ist pathologisch, aber heute leben wir in einer "Anything goes" Welt, wo man angehalten ist, all das zu akzeptieren, wie verwerflich auch immer es sein mag. Ob Eltern wollen, dass ihre kleinen Töchter (und auch Söhne) mit einem 55j. in der Schule sitzen, der sich als 6j. Mädchen "fühlt" (und es aber meines Erachtens nicht ist), das ist dann eine ganz andere Frage. Ich will nicht zu weit ausholen und den Bogen überspannen, sondern nur darauf verweisen, aus welcher zerstörerischen Denkschule viele Dinge kommen, die heute oftmals als "gesellschaftlich konstruiert" bezeichnet werden und die letztlich verschleiern wollen, dass es ein massiver Angriff gegen die natürliche biologische Ordnung ist. Mir geht es also nicht ums Moralisieren, sondern bloß ums Reflektieren der Wurzeln dieses Denkens.
Freilich aber weiß ich genau, wie du das mit dem Respekt in deiner offenen Beziehung meinst. Es ist eben Teil deines Deals mit deiner Partnerin, nicht so wie dein Kollege mit Tripper heimzukommen. Für dich heißt Respekt eben, seelisch treu zu sein und dich bei körperlichen Begegnungen außerhalb der Beziehung zu schützen, für andere ist Respekt aber, nicht nur seelisch, sondern eben auch körperlich treu zu sein.